ofwdeckblatt
OFW (ohne festen Wohnsitz)

Foto-Text-Dokumentation
Projektbeschreibung

Künstler widmen ihre Aufmerksamkeit benachteiligten Gruppen in unserer Gesellschaft, machen durch ihre Arbeit auf gesellschaftliche Diskriminierung aufmerksam. Im Juni 2000 stellte Jochen Gerz sein Projekt mit Obdachlosen in Paris vor, Christoph Schlingensief nannte eine seiner Arbeiten "Asylanten-Container", und der Mexikaner Santiago Sierra stellte in Berlin im November 2000 Asylbewerber in Umzugskisten aus. In meinem Projekt mit Obdachlosen arbeite ich mit dem gleichen Ziel, auf ihre Diskriminierung in der Gesellschaft aufmerksam zu machen. Es geht mir dabei nicht um Moral oder Belehrung. Ich versuchte über einen langen Zeitraum, von Januar 1999 bis August 2000, etwas über die Lebensgewohnheiten und den Alltag wohnungsloser Menschen zu erfahren, und entschied mich für eine Text- und Fotodokumentation. Der Anlass, dieses Projekt mit Obdachlosen zu machen, war ein Gespräch mit zwei jugendlichen Punks im Bahnhof Zoo, das mir von Aufsichtsbeamten mit dem Hinweis auf die Hausordnung verboten wurde, da sie ein "Versammlungsverbot" enthalte. Diese Begebenheit verstärkte mein Interesse, Menschen ohne Wohnung und ihren Alltag kennen zu lernen.
Im Januar 1999 bemühte ich mich um ein Fotoerlaubnis in der Bahnhofsmission am Bahnhof Zoo. Der Kontakt zu den Einrichtungen war in der Regel kein Problem, wohl aber die Begegnung mit den Obdachlosen, die sehr misstrauisch reagierten, sobald sie meinen Fotoapparat sahen. Die Entscheidung, bei der Essen-austeilung mitzuhelfen, erleichterte es mir, auf die Obdachlosen zuzugehen und ihr Vertrauen für meine Arbeit zu gewinnen. Manche waren spontan bereit, auch aus ihrem Leben zu erzählen, andere brauchten für diese Entscheidung lange Zeit.
Mit der Zeit erfuhr ich immer mehr über das Leben auf der Straße. Ich lernte viele Einrichtungen kennen, Suppenküchen, Wärmestuben, Notunterkünfte für Frauen, Nachtcafés oder Drogenberatungsstellen. Obdachlose zeigten mir ihre Schlafplätze, ein unbewohntes Haus, die Terrasse einer alten Villa in Potsdam, eine Bank im Tiergarten oder unter dem Balkon eines Hochhauses mitten in der Stadt. Ich lernte viele für mich ungewohnte Situationen und Orte kennen. Dazu zählte eine Fahrt mit der "Berliner Tafel" zu Betrieben, die Lebensmittel für Obdachloseneinrichtungen abgeben, eine Nachtschicht in der Bahnhofsmission, der Besuch einer Wagenburg mit jugendlichen Punks in der Wuhlheide oder ein Nachtcafé, das tagsüber ein Kindergarten war. Nach knapp einem Jahr war ich in der Szene bekannt als "die Fotografin" oder als die, die "o.k." ist.
So entstand ein Schuber mit fünf Heften; sie enthalten folgende Themen:
1. Bahnhof Zoo
2. Hab und Gut
3. Berliner Einrichtungen
4. Schlafplätze
5. Walli
Viele Einrichtungen bewirkten durch ihre finanzielle Hilfe, dass die Kosten des Projekts voll gedeckt waren. Der Erlös aus dem Verkauf der Schuber geht in vollem Umfang an eine Ambulanz für nicht krankenversicherte Wohnungslose.



Fünf Hefte in einem Schuber

1. Bahnhof Zoo
Auszüge aus Gesprächen während gemeinsamer Mahlzeiten mit Obdachlosen in der Bahnhofsmission Jebensstraße, Bahnhof Zoo Berlin.
2. Hab und Gut
"Was besitzt ein Obdachloser?" Obdachlose zeichnen und beschreiben ihre Habe.
3. Berliner Einrichtungen
Detaillierte Beschreibung eines Tagesablaufs. Am Beispiel eines Obdachlosen wird seine Tagesstruktur aufgezeichnet und fotografisch dargestellt: vom Schlafplatz zu einer Frühstückseinrichtung, über eine Beratungsstelle weiter zu einer Suppenküche und anschließend in eine Wärmestube für Obdachlose.
4. Schlafplätze
"Wo schläft ein Obdachloser?" Hier beschreiben Obdachlose ihre verschiedenen Schlafplätze im Freien und / oder in diversen Einrichtungen.
5. Walli
In diesem Heft geht es um das Portrait einer obdachlosen Frau, die im Jahr 2000 verstorben ist.

Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Kirche haben das Projekt auf ihre Weise unterstützt. So haben das Vorwort für Heft 1 Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, für Heft 2 Theaterintendant Frank Castorf, für Heft 3 Bischof Dr. Wolfgang Huber und für Heft 5 Kardinal Sterzinsky geschrieben.

Das Projekt entstand an der Freien Akademie für Kunst gemeinsam mit dem Dozenten Thorsten Goldberg. Es wurde weiterhin unterstützt von: Lions-Club Berlin-Halensee; Bundesjustizministerin, Brigitte Zypries,; Caritasverband für Berlin e.V.; Berzirksamt Charlottenburg , Kulturbüro; Buchhandlung Hugendubel; Schering Kunst Verein; Dresdner Bank; Buchbinderei Lehmann, Berlin; Buchdruckerei Paulick, Berlin; Buchhandlung Kiepert; Gigant-Foto; Werketage Saarbrücker Straße e. V.; Gemeinde der Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche.

Mit dem Kauf eines Schubers unterstützen Sie die medizinische Versorgung obdachloser Menschen, die Ambulanz für Wohnungslose in der Jebensstraße 3 Berlin Bahnhof Zoo.

Ein Exemplar des Schubers OFW kostet 10,00 €



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